17-01-18

Rosen schneiden, wenn die Forsythie blüht

Warum Hobbygärtner ihren Garten immer im Auge behalten sollten


Zu Beginn des neuen Jahres lockt es bei milden Temperaturen alle Gärtner in den Fingern: Kann ich nicht schon draußen was machen? Oder wenigstens auf der Fensterbank Jungpflanzen vorziehen? Unsere erfahrene DIY-Academy-Trainerin Antje Scheumann erklärt im Interview, ab wann die Arbeit draußen losgeht, wie man Rasen und Beete auf den Frühling vorbereitet und warum der Boden manchmal an allem schuld ist.


DIY Academy: Wann ist die beste Zeit, nach der Winterpause draußen wieder loszulegen?

Antje Scheumann: Die Grundlage für die Arbeit im Garten ist für mich der phänologische Kalender. Der hat zehn Jahreszeiten im Vergleich zu unseren üblichen vier. Frühling, Sommer und Herbst sind dabei nochmal unterteilt in drei einzelne Jahreszeiten. Der Winter bleibt eine, weil da nur wenig zu tun ist. Aber gerade in den anderen Jahreszeiten findet so viel statt, dass man sich sehr gut nach den Phänomenen der Natur richten kann. Das wohl bekannteste Phänomen, das die meisten Menschen kennen, ist: Wenn die Forsythie blüht, werden die Rosen geschnitten. Da braucht man sich gar nicht an irgendwelche kalendarischen Daten zu halten. Wenn die Forsythie anfängt zu blühen, geht die Gartenarbeit los.

DIY Academy: Man sollte eher auf seine Pflanzen als auf den Monat achten?

Antje Scheumann: Ich sage in meinen Kursen immer: Wenn die Forsythie im November blüht, kann man auch im November Rosen schneiden. Die weiß dann, dass, bis ihre Wunde verheilt ist, nichts Schlimmes passiert.

DIY Academy: Also raten Sie jedem Gärtner, regelmäßig in den Garten zu gehen?

Antje Scheumann: Ja, unbedingt! Schauen ist die Grundregel schlechthin im ganzen Jahr im Garten. Es gibt ja den Spruch: Das Auge des Gärtners macht den Kohl fett. Alle Pflanzen brauchen es einfach, immer wieder betrachtet zu werden. Nur so kann man erkennen, ob sie gesund sind oder ob ihnen etwas fehlt. Gerade im Frühjahr ist es wichtig zu sehen, was jetzt anfängt zu blühen.

DIY Academy: Nach was halte ich denn als Erstes Ausschau?


Antje Scheumann: Mit den Schneeglöckchen beginnt das Gartenjahr. Dann folgen etwa Krokusse und die Forsythie. Jetzt kann ich im Nutzgarten schon ganz unempfindliche Sachen aussäen wie Spinat, Salat, Wilde Möhre, Mangold und Rote Bete. Es muss aber frostfrei sein. Wenn Sie ein Hochbeet haben, sollten Sie das am besten mit Folie abdecken, damit die Saat geschützt ist.

DIY Academy: Kann ich auf der Fensterbank auch schon etwas vorziehen?

Antje Scheumann: Da kommt es ganz darauf an, wann die Pflanzen nach draußen ins Beet kommen sollen. Im Januar und Februar ist es sehr früh. Die Pflänzchen streben ja zum Licht und werden dann eher lang und dünn. Bis sie dann nach draußen kommen, kippen sie um und machen schlapp. Mit der Anzucht auf der Fensterbank würde ich empfehlen, bis Ende Februar/Anfang März zu warten.

DIY Academy: Wie kann ich meine Beete auf das Frühjahr vorbereiten?


Antje Scheumann: Lockerer Boden ist gerade bei den Stauden wichtig. Außerdem sollten Sie abgestorbene Teile entfernen und ältere Stauden eventuell auslichten. Wenn es wärmer wird, können Sie in die Beete eine Schicht Kompost einarbeiten. Auch am Wurzelbereich der Bäume kann man das machen. Da sind Nährstoffe enthalten, die nur langsam aufgenommen werden. Da macht man also auch nichts falsch.

DIY Academy: Wie und ab wann kann ich denn meinen gestressten Rasen pflegen?


Antje Scheumann: Der Rasen ist auch an den phänologischen Kalender gekoppelt. Wenn die Forsythie blüht, sollten Sie Blätter, Zweige und ähnliches abrechen. Auch hier können Sie bei etwa wärmeren Temperaturen eine Schicht Kompost aufbringen! Das ist eine sanfte Düngung. Wenn Moos im Rasen ist, können Sie dies nach dem letzten Schnee ausharken und den ganzen Rasen kalken. Bitte nicht säckeweise ausbringen, sondern nach Anweisung des Herstellers, und dazu am besten mit dem Düngewagen verteilen. Kleinere Stellen kann man natürlich auch mit der Hand ausstreuen.

DIY Academy: Was ist denn mit Blaukorn?

Antje Scheumann: Das ist so gut wie out. Blaukorn ist ein rein mineralischer Dünger, der nur direkt an die Pflanze geht und hier einmal „Pep“ macht. Wenn die Wirkung nachlässt, ist alles wieder wie vorher. Man sagt: Es gibt drei Sachen im Garten, und die sind Boden, Boden und Boden. Am besten ist es also, den Boden so zu veredeln, dass er alles hat, was er braucht.

DIY Academy: Wenn in meinem Garten etwas nicht so wächst, wie ich es gerne hätte, ist demnach meist nicht die Pflanze die Schuldige, sondern der Boden?

Antje Scheumann: Fast immer. Oft ist der Boden zu verdichtet, dann sind nicht genug Mikroorganismen, Würmer und Käfer darin. Da hilft es nur, den Boden zu lockern und mit viel Kompost zu düngen.

DIY Academy: Wie bekomme ich denn einen verdichteten Boden wieder locker?

Antje Scheumann: Da ist es am besten, zu aerifizieren. Das macht man mit dem Rasen auch statt zu vertikutieren. Aerifizieren bedeutet, zum Beispiel mit einer Grabegabel in den Boden einzustechen. Wenn man über den Rasen oder auch so durch den Garten geht, einfach in Schrittabständen einstechen, ein bisschen auflockern, einstechen und wieder auflockern. Dann bringen Sie eine Mischung aus Sand und Kompost auf. Damit wird der Boden krümeliger. Dafür nimmt man gewaschenen, scharfen Sand, auch Spielsand genannt.

DIY Academy: Woher weiß ich denn, wie es meinem Boden geht?

Antje Scheumann: Als eine der ersten Maßnahmen zu Jahresbeginn finde ich es gut, eine Bodenprobe zu nehmen. Man kann dafür im Baumarkt einen pH-Wert-Test kaufen. Einige Baumärkte bieten aber auch einen kostenlosen, umfassenden Grundtest an. Ungefähr eine Handvoll Erde ca. 10 cm tief entnommen reicht dafür schon. Wenn man die abgibt, bekommt man eine Analyse von allem, was im Boden sein sollte. Wenn ein Ungleichgewicht besteht, bekommt man auch gleich die Nährempfehlung mit.

DIY Academy: Ist das Frühjahr auch die beste Zeit für den Frühjahrsputz?

Antje Scheumann: Die beste Zeit für die Gartengerätepflege ist eigentlich der Herbst. Da setzt man sich hin, nimmt die Scheren auseinander, putzt und ölt. Aber es gibt genug Gärtner, denen fällt das eben erst im Frühjahr ein. Da gehörte ich auch lange Zeit dazu. Dann muss man eben jetzt ran. Zuerst die Werkzeuge umfassend putzen und dann etwas ölen. Bitte nur ein paar Tropfen auf ein Tuch geben, nicht zu viel! Gerade die Schneidewerkzeuge müssen eingeölt werden. Fahrradketten- oder Nähmaschinenöl ist dafür gut geeignet.
Sie sollten lockere Schrauben festziehen und kontrollieren, ob die Schneiden von Scheren oder etwa das Messer des Rasenmähers noch scharf sind. Wenn man es sich zutraut, kann man sie selber schärfen oder aber zum Fachhandel geben. Bei uns im Dorf hat das noch ein Schmied gemacht, oder man hat einen Landhandel in der Nähe. Auch die Baumärkte bieten diesen Service teilweise an. Ich mache das so selten, ich kriege kaum ein Küchenmesser mit dem Schleifstein geschliffen, da will ich mir kein Rasenmähermesser zutrauen.
Der Rasenmäher sollte aber schon im Herbst gepflegt werden: Das Messer ausbauen, säubern, ölen und schleifen. Das Benzin möglichst ausfahren, nicht im Tank stehen lassen. Solche Treibstoffe können verharzen und den Vergaser verstopfen.

DIY Academy: Was ist mit Elektro- oder Akkumähern, können die im Winter draußen bleiben?


Antje Scheumann: Ein normaler Elektromäher ist kein Problem, der kann draußen im Schuppen bleiben. Beim Akkumäher sollten Sie den Akku mit ins Haus nehmen.

DIY Academy: Wie kann ich die Winterzeit im Garten noch nutzen?


Antje Scheumann: Zum Beispiel Gartenbücher lesen und einen Plan machen und sich aufzeichnen, welche Pflanzen in diesem Jahr wohin sollen. Dabei sollten Sie unbedingt die Fruchtfolge beachten: Verschiedene Gemüsesorten verbrauchen unterschiedlich Nährstoffe.  Man sollte mit denen beginnen, die am stärksten von den Nährstoffen zehren, im Jahr darauf an derselben Stelle die pflanzen, die weniger zehren, im dritten Jahr die, die noch weniger zehren. Im vierten Jahr kommen dann sogenannte Leguminosen, das sind Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen, die sogar Stickstoff in den Boden einbringen und ihn damit verbessern.

Wichtiger Tipp für Obstgärtner:
Im Frühjahr sollten Sie die Stämme frischer, kleiner Obstbäumchen ungefähr bis zum Alter von fünf Jahren weißen. Die Rinde kann reißen, wenn sie sich tagsüber bei Sonneneinstrahlung ausdehnt und nachts bei Frost oder kalten Temperaturen wieder zusammenzieht. Dann können zum Beispiel Pilzkrankheiten eindringen. So wird die Sonne reflektiert und der Stamm erwärmt sich nicht so stark. Hier empfiehlt sich eine Kontrolle: Wenn das Baumweiß abgewaschen ist, sollte man wieder nachstreichen, meist zweimal im Jahr. Außerdem hilft das Weißen gegen Wildverbiss.  


Zur Person:
Antje Scheumann hat selber leider keinen Garten mehr, pflegt aber noch zwei „Guerilla-Gärten“. Vor ihrer Haustür kümmert sie sich um ein wildes Stückchen Land mit wenigen Quadratmetern, wo sie ein paar Sträucher gepflanzt hat. Das pflegt sie immer, wenn sie kann. Außerdem gibt es an ihrem Wohnort eine öffentliche Streuobstwiese, auf der sie sogar ihre Lieblings-Apfelsorte, Signe Tillisch, gepflanzt hat – in der Hoffnung, die irgendwann auch mal ernten zu können.

Bei der DIY Academy gibt Antje Scheumann natürlich zahlreiche Garten-Kurse, aber sie erklärt unter anderem auch, wie man richtig Böden verlegt, Fliesen an die Wand bringt oder mit Elektrowerkzeugen umgeht.  
Informationen zu unseren Kursen und ein Onlineshop zum direkten Buchen finden Sie hier: www.diy-academy.eu/kurse-events

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