12-09-18

Der lange Weg des „Blauen Anton“

Interview mit Dieter Gorff, Director Sales DIY bei Kübler Workwear


Ein Handwerker trägt Blaumann. Und der Heimwerker eine uralte Jeans zum Dreckigmachen. Klischee oder Realität? Ob Bundhose, Latzhose oder Overall, die klassische Arbeitsbekleidung gibt es immer noch. Neben dem Kornblumenblau haben sich Rot-, Grün- und Grautöne etabliert, aber längst ist die Mode weitergewandert zu modernen, belastbaren Mischgeweben mit Reflexelementen, Stretch-Einsätzen, Knieschutztaschen und ergonomischer Passform. Warum sich der Kauf professioneller Arbeitskleidung auch für gelegentliche DIY-Aktionen lohnen kann, erklärt Dieter Gorff von Kübler Workwear.


DIY Academy:
Herr Gorff, wer kauft Ihre Arbeitskleidung? Sind das Profis oder auch ganz normale Leute?

Gorff: 
Bei uns finden neben dem Industriearbeiter und Handwerker auch Heimwerker die passende Workwear, also Arbeitsbekleidung. Die kann sich jeder direkt im Baumarkt um die Ecke kaufen. Wir stellen fest, dass sich aber nicht nur Heimwerker, sondern auch Profis verstärkt hier Ihre Arbeitskleidung besorgen. 

DIY Academy: 
Das heißt, man kann im Baumarkt die Arbeitshose gleich anprobieren?

Gorff:
Ja, genau. Meistens gibt es sogar eine Umkleidekabine. Außerdem legen wir Wert darauf, die Produkte nicht in Tüten zu verpacken. So kann man das Material direkt anfassen, fühlen und auch ohne große „Aufreißaktion“ mal in die Hose reinschlüpfen. So etwas ist in Baumärkten noch nicht so lange üblich. Und natürlich kann man die passende Hose dann auch gleich mitnehmen. 

DIY Academy:
Was ist für Heimwerker eine sinnvolle Anschaffung? Eine Hose, eine Jacke oder doch lieber Sicherheitsschuhe?

Gorff:
Je nachdem, welches Projekt ansteht, ist alles sinnvoll. Für uns als Hersteller von Arbeitskleidung ist die Hose, ob jetzt Bund- oder Latzhose, der wichtigste Artikel. Hosen werden nicht nur am häufigsten verkauft, sondern bieten dem Träger auch die meiste Funktion und Unterstützung.

DIY Academy:
Was leistet denn eine Arbeitshose im Vergleich zu einer normalen Jeans?

Gorff:
Da gibt es gravierende Unterschiede. Wir sprechen bei Arbeitsbekleidung zwar noch nicht von reiner Funktionsbekleidung, aber die Ansprüche von heute sind ganz andere als vor 10 Jahren. Wir haben neben der Qualität, Optik und dem Design auch immer die Ergonomie, die Passform und den Tragekomfort im Fokus. Das bedeutet, unsere Hosen sind unter anderem ergonomisch geschnitten für mehr Bewegungsfreiheit. Eine Jeans hat zum Beispiel in den meisten Fällen eine gerade Beinnaht, also kein vorgeformtes Knie wie unsere Workwear. Deshalb bietet eine Arbeitshose ein deutlich angenehmeres Tragegefühl. Dies liegt mit daran, dass wir Menschen ja nicht immer nur kerzengerade stehen oder laufen. Meist ist das Knie leicht gebeugt und wenn meine Hose nun einen ergonomischen Schnitt hat, spüre ich sie weniger auf der Haut. So entsteht aus einem verhältnismäßigen kleinen Detail ein großer Nutzen für den Träger.

DIY Academy:
Gibt es Bekleidung bei Ihnen – abseits vom Standard-Blaumann und Co. – die sich für den Heimwerker besonders eignet?

Gorff:
Es ist nicht so ausschlaggebend, ob es sich um einen Profi oder einen normalen Anwender handelt, sondern das Vorhaben spielt die entscheidende Rolle. Wie sprechen ja nicht nur über Arbeitskleidung, sondern auch über Schutzkleidung. Auch ein Heimwerker, der nur gelegentlich Holz macht, muss beim Arbeiten mit einer Kettensäge Schnittschutzkleidung tragen – und diese sollte zertifiziert sein. Auch jemandem, der nur selten und kurz etwas schweißt, würde ich dringend empfehlen, dabei Schweißerschutzkleidung zu tragen. Die Gefahren werden gerade von Laien oft unterschätzt. Eine gute Allrounder-Funktion hat unsere derzeit erfolgreichste Produktlinie „Pulsschlag“. Sie sieht nicht nur gut aus, hat einen ergonomischen Schnitt und Stretch-Einsätze, sondern besteht aus einem sehr leichten und strapazierfähigen Material mit Ripstop-Gewebe, das auch noch wasser- und schmutzabweisend ist.

DIY Academy:
Was kann Ripstop-Gewebe aushalten?

Gorff:
Das Gewebe ist mit einer speziellen Technik gewebt und besonders reißfest. Optisch sieht es ein bisschen so aus wie in einem Rechenheft. Durch diese Karo-Struktur hat das Gewebe eine besonders hohe Weiterreißfestigkeit. Sollte es also doch mal passieren, dass ich mit der Hose irgendwo so hängenbleibe, dass ein Riss oder Loch entsteht, kann ich trotzdem weiterarbeiten, weil ich keine Angst haben muss, dass der Riss weiter aufgeht, bis schließlich die komplette Hose offen ist – was bei anderen Geweben durchaus passieren kann! Außerdem hat die „Pulsschlag“-Bundhose einen höheren Stretchbund – das verbirgt nicht nur das sogenannte „Bauarbeiterdekolleté“, sondern die Hose schützt auch bei kühlerem Wetter den Nierenbereich. 

DIY Academy:
Wie teuer ist so eine Hose?

Gorff:
Das „Pulsschlag“-Modell kostet knapp 70 Euro. Wenn man berücksichtigt, was die Hose kann, ist das wirklich preiswert. Gerade im Vergleich zu einer modischen Jeans ohne Zusatznutzen, die gerne mal 100 Euro und mehr kostet. Selbstverständlich gibt es auch günstigere und teurere Modelle.

DIY Academy:
Mir ist aufgefallen, dass vermehrt Leute auch im Alltag Kleidung tragen, die eigentlich offiziell als Arbeitskleidung verkauft wird.

Gorff:
Das stimmt. Workwear ist heute definitiv salonfähig, das war früher nicht so. Da hat man sich erst beim Kunden oder im Betrieb umgezogen. Heute haben die Leute kein Problem mehr damit, mit der Bekleidung einkaufen zu gehen und sich auch in der Freizeit damit zu zeigen.

DIY Academy:
Aber es gibt bei Ihnen im Sortiment immer noch den klassischen Blaumann und sogar eine Jeanshose. Das heißt, das wird immer noch nachgefragt? Vom Profi oder nur von Privatleuten?

Gorff:
Sowohl als auch! Der „Blaue Anton“ ist natürlich immer noch im Sortiment, die Zielgruppe gibt es und er ist auch aktuell noch nicht wegzudenken. Genauso wie die Jeans, was auch immer mal wieder ein Trendthema ist. 

DIY Academy:
Das bedeutet, Sie müssen beim Thema Mode allgemein immer gut informiert sein?

Gorff:
Früher waren Produkte durchschnittlich 12 bis 13 Jahre im Sortiment, heute ist der Lebenszyklus meistens bereits kürzer und wird in Zukunft immer kürzer werden. Wir merken, dass der Bedarf im Markt da ist, öfter etwas Neues und Frisches anzubieten. Es ändern sich auch ständig Schnitte und Passformen – wie im Fashion-Bereich. Da tut sich viel und das spiegelt sich auch in der Arbeitskleidung wider. Die Grenze zwischen der Modewelt und der Workwear-Welt wird immer kleiner werden. Damit dürfen wir uns beschäftigen.

DIY Academy:
Sie haben neue Zielgruppen aufgenommen und Kleidung speziell für Frauen auf den Markt gebracht. Gibt es jetzt eine „Blaue Antonella“?

Gorff:
Den „Blauen Anton“ gibt es nicht im Damenschnitt. Wir haben uns mit dem Thema Frauenarbeitskleidung aber vor circa 13 Jahren beschäftigt. Da gab es dann die erste Damenhose und die erste Damenlatzhose. Heute ist das ganz normal. Es gibt auch immer mehr Frauen im Handwerker- und Do-it-yourself-Bereich. Gerade im Baumarkt merken wir, dass mehr Frauen Workwear kaufen. Und die möchten Hosen tragen, die passen und keine kleinen Herrengrößen. So kommt jetzt auch immer mehr Farbe ins Spiel und es gibt sogar Damen-Workwear in Schwarz-Pink. Auch wenn es viele nicht glauben wollen: Das kommt sehr gut an!

DIY Academy:
Warum haben Sie auch Bekleidung für Kinder im Angebot?

Gorff:
Wir haben aktuell eine Hose und eine Softshelljacke für Mädchen und Jungs. Hier geht es um die Verbindung zu den Eltern. Wir nennen es auch so: „So cool wie Mama oder Papa.“ Die Kinder möchten so aussehen, mitmachen und helfen. Die Kinderhose ist dabei genauso strapazierfähig wie die Hose der Großen, hat die gleichen Taschen für Werkzeuge und ist wasser- und schmutzabweisend. Die kann ich bei 60 Grad waschen und in den Trockner tun. Also auch perfekt als Kindergarten- und Freizeithose, denn im Vergleich zu einer Kinderjeans ist unsere Kinderhose fast unzerstörbar. 

DIY Academy:
Wie wird sich Arbeitsbekleidung künftig weiterentwickeln?

Gorff:
Der Anspruch der Träger an Design, Ergonomie, Passform, Tragekomfort und Funktion wird weiter wachsen. Es wird immer wieder neuartige Materialien geben. Auch die Nachfrage nach Maßanfertigungen und komplett individualisierten Artikel wird weiter wachsen. Es ist ja bereits möglich, sich mit dem Smartphone zu vermessen. Als Hersteller beschäftigen wir uns selbstverständlich mit solchen Themen. Es ist ja mittlerweile keine Raketenwissenschaft mehr, einen Sportschuh mit dem 3D-Drucker auszudrucken. Da ist auch in der Workwear- Welt noch vieles möglich.

Firmeninfo:
Seit 1956 produziert das Familienunternehmen Paul H. Kübler Bekleidungswerk GmbH & Co. KG in Plüderhausen bei Stuttgart Berufsbekleidung. Aus dem Haus stammt auch der „Blaue Anton“ – der wohl bekannteste Begriff für den klassischen Arbeitsanzug. Auch der Clipo-Verschluss für Latzhosen und Hosenträger wurde bei Kübler entwickelt und patentiert. Dank großer Erfahrung und Tradition, aber auch durch viel Begeisterung, Leidenschaft und Innovationskraft gelingt es Kübler Workwear seit 60 Jahren, das Arbeiten sicherer zu machen und neue Trends zu setzen.                                                

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